Piratenkultur

BPT141
Eigentlich wollt ich ja nichts mehr dazu schreiben, aber nur für den Fall, dass das vergessen gegangen ist: Die Piraten haben in Bochum eine geile Liste für die Europawahl zusammengewählt. Ich glaube, wir haben da ein wirklich gutes Team von Leuten, die uns gut repräsentieren werden im Wahlkampf, mit Themen, die sie nach vorne bringen wollen. Jetzt sind wir dran, sie dabei zu supporten.

Und wir haben ein richtig gutes Wahlprogramm: ein klares Profil, kompakt, aber differenziert formuliert. Und dass wir damit tatsächlich als Europäische Partei antreten ist neu. Das ist glaube ich ein Alleinstellungsmerkmal. Find ich super, dass wir damit ernst machen.

Wir sind Aktivisten. Wir sind für andere glaubwürdig, wenn wir leben, was wir predigen. Nur wenn wir selber überzeugt sind von unseren Zielen, werden wir auch andere Leute überzeugen und begeistern.
Unser Ziel ist nicht 3%. Wir brauchen nicht irgendein Wahlprogramm, um Stimmvieh zu fischen. Umgekehrt ist richtig: 3% sind das Mittel, das wir brauchen, um unsere Ziele europaweit in den politischen Prozess einbringen zu können.

Wir Piraten sind eine Partei, die aus einer globalen Kultur entstanden ist: den Erfahrungen mit dem Internet. Viele von uns sind selber noch jung. Für uns ist es selbstverständlich, europäisch und international zu leben und zu denken. Wir wollen nicht zurück in den nationalstaatlichen Partikularinteressen-Mief des letzten Jahrhunderts.

Wir Piraten sind in Deutschland die einzige Partei, die ehrlich sagt, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher, wenn die Generation der heute 20-30jährigen eine lebenswerte Perspektive haben will in Europa. Ewigwährendes Wirtschaftswachstum ist weder realistisch noch die Lösung unserer Probleme.

Wir Piraten sind die einzige Partei, die sich glaubwürdig gegen allgegenwärtige Totalüberwachung wehrt.

Wir Piraten sind die einzige Partei, die das mit der Transparenz und Basisdemokratie ernsthaft erforscht, auch, wenn es ein schmerzhafter Prozess ist, der uns im Moment eher schadet als zu Harmonie und Popularität verhilft. Aber wir wissen, dass diese Auseinandersetzungen und auch die Fehler, die dabei passieren, ein notwendiger Lernprozess sind, um am Ende die bestmögliche praktikable Lösung zu erarbeiten.

Und jetzt doch noch ein Wort zur Deko.

Ponyfahne

Why so seriöslich?

Ich bin ja ein Harmoniemensch und immer sehr dafür, eine praktikable Lösung zu suchen, statt Dinge verbal zu eskalieren.
Ich bin mir sehr sicher, niemand wollte mit irgendeiner Deko Gewalt befürworten. Die Fahne, über die so viel bei Twitter zu lesen war, sollte vermutlich einfach ausdrücken, dass Piraten Nazis doof finden. Um Missverständnissen in Zukunft vorzubeugen, würde ich dafür plädieren, fürs nächste Mal vielleicht eine pirateneigene Piraten-finden-Nazis-doof-Fahne aufzuhängen. Vielleicht könnte die SG Gestaltung da mal was basteln?
(Unabhängig vom Inhalt ist das Problem: Wenn wir die Fahne einer Nichtpiraten-Gruppe erlauben, müssten wir allen Nichtpiraten-Interessengruppen erlauben, ihre Fahnen bei uns aufzuhängen, um eine Gleichbehandlung zu gewährleisten. Das können wir nicht und das wollen wir nicht. Deswegen würde ich es begrüßen, beim nächsten Parteitag auf Fremdbeflaggung in der Halle zu verzichten.)

Ich fände es aber z.B. richtig schön, Fahnen (oder Plakate) aller europäischen Piratenparteien aufhängen, die an der Europawahl teilnehmen.
Ich wünsche mir überhaupt wieder mehr Piratenfolklore. Seelenlose kahle Messehallen mit Frontalunterricht schaffen eine kalte Arbeitsatmosphäre. (Den Leuten, die zwischen Bremen und Bochum beim 30c3 waren, ist der Unterschied vielleicht besonders aufgestoßen.)

Punkrock

Wir haben eine Allergie entwickelt gegen Flausch und nautische Metaphern, weil die Medien es damit eine Weile übertrieben hatten und wir haben sie ersetzt durch … nichts.
Ich wünsche mir wieder mehr Ponys, mehr LED-Basteleien, mehr Luftballons, mehr individuelle Klamotten, ein öffentliches Bällebad im Foyer. Die Anzüge und Bademäntel der Versammlungsleitung in Bochum waren ein guter Ansatz, damit wir nicht vergessen, dass wir hier Rollen spielen, und um nicht in Gefahr geraten, uns selbst zu ernst zu nehmen.

Ich wünsche mir z.B., dass am 25. Mai ganz viele von uns Selfies mit Handtüchern beim Wählen machen. Deal?

Über die gleichen Dinge zu lachen schafft Vertrautheit und Vertrauen. Das brauchen wir. Und wir müssen aufpassen, dass uns der Spaß an der Sache und die Überzeugung für unsere Ziele nicht verloren gehen.
Weil, kein Mensch wählt Piraten, weil wir die fleißigsten Aktenwälzer sind oder weil wir die längsten Wahlprogrammanträge schreiben.

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One Response to Piratenkultur

  1. Gaejawen says:

    Du sagst da Wahres und vor allem, ohne Emotionen zu schüren! Jepp…. eine Vielfalt darstellen, die die Vielfalt der Piraten wiederspiegelt, das wäre doch mal was!
    Statt ranten und meckern, im Sinne der Piraten wirken und machen… Ohne Polarisierungen auf Andere! Danke

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